"No Trade" und "No Land"

Optionen für die zukünftige deutsche Ernährungsversorgung

Die internationale Handelsintegration hat den globalen Agrar- und Ernährungssektor in den letzten Jahrzehnten wesentlich geprägt. Jedoch stagniert die weitere Integration und es gibt aktuell keine signifikanten Fortschritte. Während sich der Prozess der Handelsintegration also insgesamt verlangsamt, werden sowohl die Kosten der Marktöffnung für „Entwicklungsländer“ als auch für die „entwickelten Länder“ erörtert. Letztere betreffen vor allem die begrenzten Steuerungsmöglichkeiten im Hinblick auf Umweltschutz und Tierwohl. Auch Möglichkeiten der regionalen Lebensmittelversorgung von europäischen und deutschen Metropolregionen sind dabei ein Thema. Solche Gedankenexperimente stehen jedoch im Widerspruch zu der zurzeit starken Integration Deutschlands in die globalen Agrar- und Lebensmittelmärkte: Deutschland ist Netto-Importeur von Agrarprodukten und Lebensmitteln und ist insbesondere auf große Mengen von Futtermittelimporten angewiesen.

Als eines von zwei extremen Szenarien analysiert dieses Teilprojekt eine Situation mit sehr geringem Handel oder mit „no trade“. Dieses Teilprojekt hat zum Ziel, die Allokations- und Verteilungseffekte von signifikant reduziertem Handel im Agrar- und Ernährungssektor und, im Extremfall, einer Situation ohne jeden Handel für die Agrar- und Ernährungssektoren in Deutschland zu analysieren.

Das zweite extreme Szenario ist das „No Land“-Szenario. Eine Verlagerung von flächenbasierten hin zu aquatischen und anderen Lebensmittelproduktionen würde eine erhebliche Änderung der deutschen Produktions- und Handelsstrukturen mit sich bringen. Auch hier sollen Allokations- und Verteilungseffekte in einer Situation von signifikant weniger Fläche bis hin zu einer „No Land“ Situation für die Agrar- und Ernährungssektoren in Deutschland analysiert werden.

Das dritte Ziel ist das Verständnis der Interaktionseffekte in den beiden oben beschriebenen Szenarien sowie der Abhängigkeit der Szenarien-Ergebnisse von den Annahmen, wie sich die Agrar- und Lebensmittelwirtschaft außerhalb Deutschlands entwickelt.

Die Reduzierung von Handel bis hin zur vollständigen Abschaffung des Agrar- und Lebensmittelhandels ist ein Szenario, welches mit einer Vielzahl von simultan stattfindenden Veränderungen innerhalb der Agrar- und Lebensmittelmärkte mit starken Wechselwirkungen in den Angebots- und Nachfragesystemen einherginge. Aus diesen Gründen wird für die Analyse des „No Trade“-Szenarios ein Modell mit einer sehr genauen Darstellung des deutschen Agrarsektors und der anderen EU-Mitgliedsstaaten gewählt, wohingegen der Rest der Welt etwas weniger detailliert beschrieben wird: das CAPRI (Common Agricultural Policy Regional Impact Analysis) Modellierungssystem.

Das „No Land“-Szenario geht mit zahlreichen Technologiesprüngen einher. Hier wird eine tabellenbasierte Analyse der Optionen und des Potenzials für Deutschland, inklusive einer Sensitivitätsanalyse zu Überprüfung der Datenrobustheit erstellt, um zu klären, ob eine Selbstversorgung mit signifikant weniger oder im Extremfall ohne landwirtschaftlich nutzbares Land möglich wäre.

Text: F. Thom, HUB

Kontakt
Humboldt-Universität zu Berlin
Unter den Linden 6
10099 Berlin

Webseite
www.agrar.hu-berlin.de - Fachgebiet Internationaler Agrarhandel und Entwicklung

Projektlaufzeit Juni 2019 - Mai 2022

Interaktion mit F4F- und weiteren Partner*innen
ATB, HUB-IRI THE-Sys, IGZ, ZMT

Johann Heinreich von Thünen-Institut (Bundesforschunginstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei)

Portrait Prof. Dr. Harald Grethe

Prof. Dr. Harald Grethe

Projektleiter

grethe@hu-berlin.de
T +49 (0) 30 2093-46810

Prof. Dr. Harald Grethe ist Leiter des Fachgebiets „Internationaler Agrarhandel und Entwicklung“ am Albrecht Daniel Thaer-Institut für Agrar- und Gartenbauwissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin. Er arbeitet zu den Bereichen Gemeinsame Agrarpolitik der EU, deutsche Agrarpolitik und Tierwohl, sowie internationale Handelsbeziehungen und Agrarmärkte weltweit.

Portrait Ferike Thom

Ferike Thom

Doktorandin

ferike.thom@hu-berlin.de
T +49 (0) 30 2093-46328

Ferike Thom ist Promovendin und wissenschaftliche Mitarbeiterin im gleichen Fachgebiet. Ihr Interesse gilt der Modellierung handelspolitischer Probleme und deren Auswirkungen sowohl in Industrie- als auch in „Entwicklungsländern“ mithilfe von allgemeinen und partiellen, statischen und rekursiv-dynamischen Gleichgewichtsmodellen.