Ethnographische Untersuchung der kulturellen Dynamiken zukünftigen Essens

Wie wird gegessen, wer isst was und warum, und was bedeutet Essen? Das sind die grundlegenden Fragen, mit denen sich unsere Forschung aus einer anthropologischen Perspektive auf Essen und Ernährung befasst. Aus einer solchen Perspektive betrachten wir Essen als mehr denn eine ausschließlich funktionelle Aufnahme von Nahrung, die allein der Existenzsicherung dient – wir betrachten Essen als eine Kulturtechnik, die für Menschen bedeutungsvoll ist und zugleich Bedeutung und Identität schafft. Ziel ist es somit, die sozialen und kulturellen Dimensionen von Essen und den Praktiken, in denen die Aufnahme von Nahrung in alltäglichen Kontexten stattfindet, herauszuarbeiten und zu analysieren.

Die Methoden eines anthropologischen Zugangs zu Essen als eine kulturelle Praktik sind ethnographische und experimentelle Methoden, in denen die Zusammenhänge zwischen bestimmten gesellschaftlichen Kontexten und unterschiedlichen Praktiken der Nahrungsaufnahme erforscht werden. Wesentlich für einen ethnographischen Zugang ist es, nicht ausschließlich interviewbasiert zu arbeiten. Denn Esspraktiken sind häufig inkorporiert, stark routinisiert und sozial konventionalisiert. Wie wir essen und warum wir dies so tun und nicht anders, ist daher häufig der oder dem Einzelnen gar nicht vollständig bewusst. Aus diesem Grund beruhen ethnographische Methoden über das Interview hinaus auf intensiver und regelmäßiger teilnehmender Beobachtung in Situationen, um Handlungen sowie Handlungsabläufe, Interaktionen und die Dynamik von Interaktionen sowie das Setting bestimmter Praktiken zu dokumentieren und mit den Daten aus Interviews und informellen Gesprächen verknüpfen zu können.

Durch teilnehmende Beobachtungen in unterschiedlichen sozialen Settings, in denen Menschen essen, Nahrung zubereiten, in denen Interaktion über Nahrung stattfindet und über Nahrung und Essen gesprochen wird, kann ein tieferes Verständnis darüber generiert werden, wie sich kulturelle sowie soziale Faktoren und entscheidende Unterschiede auf konkrete Praktiken des Essens auswirken. Das Sample wird aus verschiedenen und möglichst diversen und sozial unterschiedlichen, sorgfältig ausgewählten Settings zusammengestellt, um eine möglichst große Bandbreite an Esspraktiken über Milieus, Berufsgruppen, Bildungsschichten, Alter und Gender etc. hinweg zu erfassen und analysieren zu können.

Im Rahmen des f4f-Projekts trägt die ethnographische Untersuchung dazu bei, eine erhöhte Diversität an Perspektiven auf das Thema Essen und Ernährung einzubringen.  Da f4f auf innovative Art und Weise den Blick in die Zukunft und auf die Zukunft von Essen und Ernährung wirft, ist es umso relevanter, diese Perspektiven auf die Zukunft durch eine Analyse lebensweltlicher Esspraktiken und den sozialen und kulturellen Dimensionen von Ernährung zu bereichern.

Text: A. Heitger, J. Niewöhner, IRI THE-Sys HUB

Kontakt

Integrative Research Institute on Transformations of Human-Environment Systems (IRI THESys)
Humboldt-Universität zu Berlin
Unter den Linden 6
10099 Berlin

Webseite
www.iri-thesys.org

Projektlaufzeit
August 2019 - Juli 2022

Interaktion zu f4f- und assoziierten Partnern
HUB, IGZ, ZMT

Portrait Prof. Dr. Jörg Niewöhner

Prof. Dr. Jörg Niewöhner

Projektleiter

joerg.niewoehner@hu-berlin.de
T +49 (0) 30 2093 66330

Prof. Dr. Jörg Niewöhner ist Direktor des Integrativen Forschungsinstituts Transformations of Human-Environment Systems (IRI THESys) an der Humboldt-Universität zu Berlin. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in der Umweltanthropologie, den science and technology studies und der Ethnographie von kulturökologischen Transformationsprozessen. In food4future leitet er das Teilprojekt „Ethnographische Untersuchung der kulturellen Dynamiken zukünftigen Essens“.

Portrait Anna Heitger

Anna Heitger

Doktorandin

anna.heitger@hu-berlin.de
T +49 (0) 30 2093 66438

Anna Heitger ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Integrativen Forschungsinstituts Transformations of Human-Environment Systems (IRI THESys) an der Humboldt-Universität zu Berlin. Im Rahmen von food4future führt sie als Doktorandin eine Ethnographie von Esspraktiken durch. Ihre Forschungsinteressen liegen in ethnographischen Methoden und praxistheoretischen Ansätzen, neuen Theorien an der Schnittstelle von Science and Technology Studies und der Kultur- und Sozialanthropologie, sowie Phänomenen, bei denen die Relationalität von Mensch und Umwelt wesentlich ist.

Lunch Break Series "Future Foods"
Wie verändert sich das Essen? Beobachtungen aus der Anthropologie
Prof. Dr. Jörg Niewöhner
Alle Videos der Reihe sind hier verfügbar.