food4future-Workshop an der Jane-Addams-Schule
Zukunft schmecken, sehen und diskutieren
03.07.2026
Diesen Fragen widmete sich am 03.06. ein rund dreistündiger Workshop an der Jane-Addams-Schule in Berlin-Friedrichshain. Der Vormittag brachte wissenschaftliche Einblicke, persönliche Perspektiven, digitale Anwendungen und praktische Erprobung zusammen. Ziel war es, Schüler:innen einen niedrigschwelligen, aber fachlich fundierten Zugang zu möglichen Ernährungssystemen der Zukunft zu eröffnen.
Einführung in food4future
In einer kurzen Einführung stellte Leonhard Meitner das Forschungsprojekt food4future vor und ordnete ein, warum Fragen zukünftiger Ernährung längst nicht mehr abstrakt sind: Klimawandel, Urbanisierung, knapper werdende Ressourcen und instabile Lieferketten zeigen, dass Ernährungssysteme resilienter, nachhaltiger und zugleich gesellschaftlich akzeptiert sein müssen. food4future setzt hier an und untersucht, wie alternative Nahrungsquellen, neue Kultivierungssysteme und digitale Vermittlungsformate dazu beitragen können, Ernährung neu zu denken.
Creative Media und Wissenschaftskommunikation
Im Anschluss gab Martin Steinicke einen Einblick in die Arbeit der Forschungsgruppe Creative Media an der HTW Berlin und damit in die Welt der Wissenschaftskommunikation. Dabei ging es um Technologien wie Virtual Reality, Mixed Reality und interaktive Medien, aber auch um die Frage, wie komplexe Forschung so vermittelt werden kann, dass sie erfahrbar, diskutierbar und gestaltbar wird. Neben der Projektarbeit sprach Martin Steinicke über seinen eigenen Weg in das spielbasierte Lernen und darüber, wie sich wissenschaftliche Inhalte, kreative Medienpraxis und individuelle Erfahrungen miteinander verbinden lassen.
Algen als Lebensmittel der Zukunft
Einen fachlichen Schwerpunkt setzte anschließend Dr. Anna Fricke, Algenexpertin bei food4future. In ihrem Vortrag führte sie in die Geschichte und Biologie der Algen ein und zeigte, warum diese Organismengruppe für die Ernährung der Zukunft so spannend ist.
Algen gehören zu den ältesten Lebensformen der Erde und haben die Entwicklung unseres Planeten entscheidend mitgeprägt. Durch Photosynthese tragen sie zur Sauerstoffproduktion bei, binden Kohlenstoff und bilden in aquatischen Ökosystemen die Grundlage vieler Nahrungsketten. Für die Forschung sind Algen aus mehreren Gründen interessant: Sie benötigen keine klassischen Ackerflächen, können je nach Art sehr effizient Biomasse bilden und enthalten wertvolle Inhaltsstoffe wie Proteine, Ballaststoffe, Mineralstoffe, Pigmente oder mehrfach ungesättigte Fettsäuren. Damit eröffnen sie Perspektiven für neue Lebensmittel, nachhaltige Rohstoffe und innovative Produktionssysteme.
Dr. Anna Fricke machte außerdem deutlich, dass Algen nicht einfach „das Lebensmittel der Zukunft“ sind, sondern differenziert betrachtet werden müssen. Welche Arten eignen sich für welche Anwendungen? Wie lassen sie sich sicher, nachhaltig und qualitativ hochwertig kultivieren? Wie schmecken sie, wie werden sie verarbeitet und wie werden sie von Verbraucher:innen wahrgenommen?
Future Food Tasting: Zukunft probieren
Nach den Vorträgen wurde Zukunftsernährung praktisch erfahrbar: Beim Future Food Tasting konnten die Schüler:innen neue Geschmäcker, Texturen und Zutaten kennenlernen. Gerade das gemeinsame Probieren erwies sich als wichtiger Moment im Workshop. Denn Akzeptanz entsteht nicht allein durch Information, sondern auch durch Erfahrung. Was zunächst ungewohnt klingt, kann im direkten Kontakt Neugier wecken, Vorurteile abbauen oder neue Fragen eröffnen.
Der Übergang in den digitalen Raum
Nach einer kurzen Pause wechselte die Gruppe in den digitalen und immersiven Teil des Workshops, der durch Marino Gabel angeleitet wurde. In der aktiven Workshop-Phase arbeiteten die Teilnehmendenr an vier Stationen. Drei Stationen waren digital angelegt, eine weitere Station bestand aus einer analogen Post-it-Wand, an der Fragen beantwortet, Eindrücke gesammelt und Gedanken sichtbar gemacht wurden.
Drei digitale Stationen – drei Perspektiven auf Future Foods
- Algen-App: EcoSpire: Bei der Algen-App „EcoSpire“ setzen sich die Nutzer:innen spielerisch mit zentralen Fragen nachhaltiger Ernährung auseinander: Wie werden neue Lebensmittel produziert? Welche Ressourcen werden dafür benötigt? Und wie beeinflussen Umweltbedingungen das Wachstum? Die Schüler:innen durchlaufen vier aufeinander aufbauende Phasen – von der Keimlingsanzucht bis zur großflächigen Kultivierung. Dabei passen sie Parameter wie Licht, Temperatur und Nährstoffzufuhr an und beobachten direkt, wie sich diese Entscheidungen auf das Wachstum der Makroalgen auswirken.
• VR-Erfahrung: Future Food: In der Virtual-Reality-Anwendung tauchen die Teilnehmenden in mögliche Zukunftsszenarien der Ernährung ein und erkunden, welche Rolle alternative Organismen wie Makroalgen, Quallen oder Grillen spielen könnten. In fantasievollen Wasser- und Landwelten bewegen sie sich durch unterschiedliche Produktionsumgebungen, sammeln Nährstoffe wie Proteine, Vitamine und Antioxidantien und sichern so ihre eigene „Haltbarkeit“. Dabei gewinnen sie Einblicke in urbane Indoor-Farming-Systeme, Vertical Farming und neue Lebensmittel der Zukunft.
• Mixed-Reality-Exponat: Food Visions XR: Das physische Exponat des Algenreaktors wurde mithilfe von Mixed Reality digital erweitert. Zusätzliche Informationsebenen machten sichtbar, wie innovative Anbausysteme funktionieren und welche Rollen Technik, Kreisläufe und Design für die Ernährung der Zukunft spielen. Mit einer einfachen Geste tauchten die Schüler:innen in virtuelle Welten ein und erkundeten drei Zukunftsszenarien. Dort wurde erfahrbar, wie Algen und andere food4future-Organismen künftig in Städten angebaut, verarbeitet und in urbane Lebensräume integriert werden könnten.
Forschung zum Workshopformat
Gerahmt wurde der Workshop durch einen Fragebogen und ein begleitendes Forschungsvorhaben. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie sich ein solches Workshopformat auf die Akzeptanz neuartiger Lebensmittel auswirkt.
Ein besonderer Dank gilt allen Beteiligten, die den Workshop vor Ort ermöglicht und begleitet haben, der Lehrerin der Jane-Addams-Schule sowie allen Schüler:innen, die sich offen, neugierig und kritisch auf das Thema eingelassen haben.
Weiterführende Informationen:
- Digital Tool Suite: Creative Media
- Makroalgenprojekt: Makroalgenkultivierung in food4future
- SolKuBim: Solebasierte Kultivierungssysteme für binnenländische Makro- und Mikroalgen