Makroalgenproduktion neu denken
food4future bei der Seagriculture EU 2026
02.07.2026
Makroalgen gelten als vielversprechender Baustein für die Agrifoodsysteme der Zukunft. Sie benötigen keine Ackerflächen, liefern wertvolle Inhaltsstoffe und eröffnen neue Perspektiven für nachhaltige Ernährung. Bislang ist ihre Kultivierung eng mit Küstenregionen verbunden. In ihrem Beitrag stellte Dr. Fricke Forschungsansätze aus food4future und dem Projekt SolKubiM (Solebasierte Kultivierungssysteme für binnenländische Makro- und Mikroalgen) vor. Dabei ging es um neue Möglichkeiten, salzwasserbasierte Organismen auch fernab des Meeres zu kultivieren und bestehende regionale Ressourcen dafür nutzbar zu machen.
Von der Küstenforschung zur urbanen Kultivierung
Dr. Anna Fricke bringt dafür langjährige Expertise mit. Seit rund 20 Jahren forscht sie zu Makroalgen und hat in internationalen Kooperationen unter anderem mit Partnern aus Argentinien, Brasilien, Frankreich, Norwegen, Senegal, Curaçao und Vietnam gearbeitet. Ihr Diplom entstand in Zusammenarbeit mit dem Alfred-Wegener-Institut, ihre Promotion absolvierte sie an der Universität Bremen in Kooperation mit dem Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung. Seit 2019 arbeitet sie am Leibniz-Institut für Gartenbauwissenschaften im BMBFTR-geförderten Projekt food4future. Dort beschäftigt sie sich mit dem Potenzial alternativer Nahrungsquellen und bringt ihre Expertise zudem in Lehre, wissenschaftliche Gremien und Transferformate ein.
Kontrollierte Kultivierung fernab der Küste
Der Hintergrund ihrer Forschung ist hochaktuell: Bis 2050 werden voraussichtlich mehr als 9,3 Milliarden Menschen auf der Erde leben. Viele davon werden in Städten oder stadtnahen Regionen wohnen. Gleichzeitig steigt der Bedarf an gesunden, nachhaltig produzierten und ressourcenschonenden Lebensmitteln. Klassische landwirtschaftliche Produktionssysteme geraten dabei zunehmend unter Druck – durch Flächenkonkurrenz, Klimawandel, Wasserknappheit und fragile Lieferketten.
Ein möglicher Weg sind kontrollierte Anbausysteme neu zu denken, in den urbanen Raum zu integrieren und alternative Nahrungsquellen wie Makroalgen mit einzubeziehen. In solchen Systemen lassen sich Wachstumsbedingungen gezielt steuern: Licht, Temperatur, Nährstoffversorgung und Wasserqualität können an die Bedürfnisse der Organismen angepasst werden. Das kann helfen, Ressourcen effizienter zu nutzen, Transportwege zu verkürzen und Lebensmittel unabhängiger von äußeren Umweltbedingungen zu produzieren.
Regionale Solequellen als Kultivierungsmedium
Im food4future-Konsortium werden solche Ansätze für salzwasserbasierte Organismen erforscht. Ein zentraler Punkt ist dabei das Kultivierungsmedium. Denn marine Makroalgen brauchen salzhaltiges Wasser. Die Arbeitsgruppe um Dr. Anna Fricke konnte zeigen, dass regionale Solequellen dafür geeignet sein können. Damit eröffnet sich eine neue Perspektive: Makroalgen könnten künftig auch ohne direkten Zugang zum Meer kultiviert werden.
Aus dieser Idee heraus initiierte Dr. Anna Fricke 2024 das Forschungsprojekt SolKubiM, das als Spin-off aus food4future hervorgegangen ist. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat gefördert und widmet sich den Herausforderungen urbaner Makroalgenkultivierung. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Algenkultivierungssysteme in bestehende Solekreisläufe eingebunden werden können – etwa in den Kreislauf einer Thermalsole.
Wissenstransfer und internationaler Austausch
Doch bei food4future und SolKubiM geht es nicht nur um technische Machbarkeit. Ebenso wichtig ist die Frage, wie Menschen mit neuen Lebensmitteln, neuen Produktionsorten und neuen Formen der Ernährung in Kontakt kommen. Deshalb spielen Austausch, Öffentlichkeitsarbeit und Wissenstransfer eine zentrale Rolle. Algen sollen nicht nur im Labor wachsen, sondern auch in der gesellschaftlichen Vorstellung: als Lebensmittel, als Ressource und als Teil zukünftiger Ernährungssysteme.
Die Seagriculture EU 2026 bot dafür einen passenden Rahmen. In Göteborg konnte Dr. Anna Fricke die Forschung aus food4future und SolKubiM in einem internationalen Umfeld vorstellen, Impulse aus der Algenbranche aufnehmen und mit Expertinnen und Experten entlang der Wertschöpfungskette diskutieren.
Weitere Informationen:
• SolKuBim Spinoff Seite: food4future/solkubim
• SolKuBim Projektseite: Algenproduktion in der Therme