Ins Foodiversum Zukunft mit allen Sinnen
Open Lab Abend im Futurium
09.06.2026
Drei Stunden lang drehte sich der Abend um die Frage, wie wir in ein „Foodiversum“ eintauchen können, dabei möglichst mit allen Sinnen. Statt Zukunft nur als Szenario, Prognose oder technologische Entwicklung zu betrachten, wurde sie an diesem Abend als Erlebnisraum geöffnet: zum Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Fühlen, Ausprobieren und Mitdiskutieren.
Eröffnet wurde die Veranstaltung von Herrn Dr. Brandt, dem Direktor des Futuriums. Mit seiner einleitenden Aussage setzte er den programmatischen Rahmen des Abends: „Wir wollen, dass Zukunft nicht nur erduldet wird, sondern sie selbst gestalten.“ Damit wurde deutlich, worum es im Kern ging: Zukunft ist nichts, das einfach auf uns zukommt. Sie entsteht dort, wo Menschen Fragen stellen, Möglichkeiten erproben und gemeinsam neue Perspektiven entwickeln.
Durch den Abend führten Prof. Monika Schreiner, Jette Berend und Leonhard Meitner. Als Moderator:innen öffneten sie Räume für Austausch, Nachfragen und gemeinsame Reflexion und machten damit den dialogischen Charakter des Open Lab Abends sichtbar.
Ein besonderer Schwerpunkt des Abends lag auf dem Austausch mit dem Publikum. Sehr lebendig wurde die Diskussion im Anschluss an den Vortrag von Dr. Ferike Thom, die zum Thema Ernährungswende sprach. Aus ihrem Beitrag entwickelte sich eine Debatte über die Frage: Ist gutes, gesundes Essen leistbar? Im Verlauf der Diskussion wurde sichtbar, dass Ernährung nicht nur eine Frage individueller Entscheidungen ist, sondern eng mit Wissen, Alltag, Bildung und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen verbunden bleibt.
In der Diskussion wurde unter anderem angesprochen, dass Wissen zum Thema Kochen sehr heterogen verteilt ist. Nicht alle Menschen verfügen über die gleichen Voraussetzungen, Erfahrungen oder Ressourcen, um sich mit Ernährung, Zubereitung und neuen Lebensmitteln auseinanderzusetzen. Gerade deshalb wurde die Schule als wichtiger Hebel hervorgehoben: Dort können Zeit, Neugierde und praktische Erfahrung entstehen, damit junge Menschen wieder offener für neues, anderes und vielfältiges Essen werden. Die Ernährung der Zukunft beginnt damit nicht erst im Labor oder in der Forschung, sondern auch in Küchen, Klassenzimmern und gemeinschaftlichen Lernräumen.
Auch der Workshop-Teil des Abends griff diesen Gedanken auf. In drei Stationen konnten die Besucher:innen verschiedene Zugänge zum Foodiversum erleben. Eine Station widmete sich der Community Kitchen und damit der Frage, wie gemeinsames Kochen, Teilen und Gestalten neue soziale Räume rund um Ernährung eröffnen kann. Geleitet wurde die Station durch den Studierenden Edgar Weiss, der zusammen mit Pedro Lalama an einem Konzept für geteilte Küchen arbeitete.
An einer zweiten Station stand die Insektenküche im Mittelpunkt. Die Studierenden Zoë Geerdes, Emma Schlegel und Lina Al-Assad hatten dafür eine mobile, interaktive Küche konzipiert und gebaut, in der die Gäst:innen live erleben konnten, wie Poffertjes mit Insektenmehl gebacken wurden. Gerade diese Station machte erfahrbar, wie stark Ernährung mit Gewohnheiten, Erwartungen und sinnlichen Eindrücken verbunden ist. Was zunächst ungewohnt klingt, wurde im gemeinsamen Ausprobieren zu einem Anlass für Neugier, Gespräch und Reflexion.
Die dritte Station stellte zwei digitale Anwendungen von food4future vor: Food Visions, ein Mixed-Reality-Exponat, sowie Future Food, eine Virtual-Reality-Anwendung. Vorgestellt und begleitet wurden die Anwendungen von Marino Gabel, Alexander Kramer und Nic Rubner, die den Gäst:innen immersive Zugänge zu möglichen Ernährungszukünften eröffneten. Die Formate zeigten, wie digitale Technologien dazu beitragen können, komplexe Fragen rund um Ernährung, Nachhaltigkeit und Zukunftsgestaltung anschaulich und erfahrbar zu machen.
Das Konzept des „Foodiversums“ machte damit die Vielschichtigkeit von Ernährung deutlich: Es ging nicht nur um Informationen, sondern um Zugänge. Wie verändert sich unser Blick auf Lebensmittel, wenn wir sie nicht nur analysieren, sondern mit allen Sinnen wahrnehmen? Welche Zukunftsbilder entstehen, wenn Geschmack, Geruch, Haptik, digitale Räume und gemeinsames Erleben Teil der Auseinandersetzung werden? Und wie können solche Erfahrungen dazu beitragen, neue Ideen für nachhaltige Ernährungssysteme zu entwickeln?
Der Abend zeigte, dass Zukunftsgestaltung dort beginnt, wo Menschen neugierig werden. Im offenen Laborcharakter der Veranstaltung entstand Raum für Austausch, Reflexion und gemeinsames Experimentieren. Die Gäst:innen konnten sich dem Thema aus unterschiedlichen Perspektiven nähern und erfahren, dass Ernährung der Zukunft nicht allein eine technische oder wissenschaftliche Frage ist. Sie ist ebenso eine soziale, kulturelle, bildungspolitische und sinnliche Frage.
Mit „Ins Foodiversum Zukunft mit allen Sinnen“ wurde der Open Lab Abend zu einer Einladung, Zukunft nicht auf Distanz zu betrachten, sondern in sie einzutauchen. Das Format machte erfahrbar, dass Zukunft lebendig, widersprüchlich, gestaltbar und nah am eigenen Alltag ist. Gerade im Zusammenspiel von Wissenschaft, sinnlicher Erfahrung, digitalen Anwendungen und gesellschaftlichem Dialog wurde deutlich: Wer Zukunft gestalten will, muss sie zunächst begreifbar machen.
So blieb am Ende nicht nur die Frage, wie Ernährung in Zukunft aussehen könnte. Vielmehr stand die Erkenntnis im Raum, dass jede und jeder Teil dieser Gestaltung ist — mit Ideen, Entscheidungen, Erfahrungen und Sinnen.